Im Sommer 2025 wurde ich vom loretta künstler*innen-kollektiv kontaktiert. Zunächst klandestin über digitale Kanäle, dann kam es zu ersten Treffen mit einigen Künstlerinnen und Künstlern des Kollektivs.

Als Galerist stehe ich Kollektiven eher kritisch gegenüber, da ich von der Kreativität, der personenbezogenen Urheberschaft und letztlich auch der Verantwortung des Individuums überzeugt bin. Daher war ich zunächst sehr zurückhaltend.

Doch konfrontiert mit dem ungeheuren Idealismus des Kollektivs und dem Bewusstsein, dass dessen angestrebte Anonymität nach außen nur zu wahren ist, wenn jemand außerhalb des Kollektivs eine Vermittlerrolle übernimmt, habe ich mich auf dieses Projekt eingelassen.
Wir kamen überein, dass die Galerie r8m das Kollektiv offiziell vertritt. Das habe ich als großen Vertrauensvorschuss verstanden, da ich – das möchte ich betonen – mit der Haltung und vielen Aussagen des Kollektivs inhaltlich nicht übereinstimme.

Kunst ist jedoch nie auf Konsens ausgelegt. Die Krise(n) unserer Gesellschaft kann auch als Mangel an inspirierenden Gegenentwürfen zu den bestehenden Verhältnissen gedeutet werden.

In Zeiten mangelnder Ambiguitätstoleranz halte ich Projekte wie das des loretta künstler*innen-kollektivs für wichtig. Vielleicht besonders, weil sie den Geist der Utopie in der Kunst stärken können.

Wir werden sehen!

Robère Scholz
Köln, April 2026