7 Fragen
an Martin Strippelmann

Anlässlich der Ausstellung „The Celebration of Variety and Richness“ stellten wie dem Künstler Martin Strippelmann ein paar Fragen.

Die Ausstellung wird bis zum 10. Oktober 2026 zu sehen sein.
Wieso Kunst?

In der Rückschau kann ich relativ klar erkennen, dass ich eigentlich schon als Kind meine eigenen „Projekte“ hatte, und damit habe ich eigentlich nie aufgehört. Ernsthaft spielen, das hat mich immer interessiert und das tue ich bis heute. Und daher kenne ich nichts, was mir mehr Spaß bereitet, als Kunst zu machen.

Sie waren in den vergangenen Jahren wenig öffentlich wahrnehmbar und nun gleich mit einer Soloausstellung. Wie kam es dazu?

Ich konnte in der Vergangenheit offenbar nie das Angebot an den Kunstbetrieb machen, das der Kunstbetrieb hätte gebrauchen können. Es hat nie so richtig gepasst. Natürlich habe ich trotzdem versucht, Aufmerksamkeit und Unterstützung zu bekommen, um meine Arbeit öffentlich zu zeigen. Ich möchte natürlich teilen, was mich selbst begeistert.  Natürlich kann ich das auch für mich alleine genießen, zumal es für mich nie eine Option gewesen ist, die Arbeit zu verändern, um irgendeinem Publikumsgeschmack zu entsprechen.

Als ich begriffen habe, dass ich Aufmerksamkeit für meine Kunst nicht erzwingen kann, war ich damit einverstanden und habe mich hauptsächlich darauf beschränkt, meine Arbeit weiterzuentwickeln. Und dass ich jetzt in der Galerie r8m ausstelle, ist letzten Endes glücklichen Umständen zu verdanken.

Der Kunst der Moderne einen weiteren Aspekt hinzuzufügen, ist eine Herausforderung. Worin besteht Ihr Ansatz und Ihr Anspruch dabei?

Das 20. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Moderne gewesen. Da ist jede Art von Erweiterung des Kunstbegriffs und jede Art von Grenzüberschreitung, jede Art von Tabubruch durchgeführt worden. Ich nenne das „Pioniertaten“ und die sind natürlich ungemein wertvoll gewesen.  Aber es hat dabei ein permanentes hektisches Interesse in Bezug auf das so genannte „Neue“ gegeben, mit der Folge, dass viele wichtige Ansätze künstlerischer Arbeit kurze Zeit in Mode waren, danach aber unbeachtet geblieben sind und nicht weiterentwickelt wurden.

Ich denke, dass es grundsätzlich eine reizvolle Aufgabe ist, die Sachen, die schon andere zuvor gemacht haben, als Basis für eine weitergehende Auseinandersetzung zu nutzen, um etwas hinzuzufügen, das dort eben noch nicht entwickelt war. Es also einerseits zu bewahren und andererseits nach Möglichkeit weiterzuentwickeln. Dies ist ein wesentlicher Teil meiner Motivation.

Worin besteht Ihr persönlicher Zugang zur Konkreten Kunst?

Ich habe sehr früh entschieden, dass ich zwar gerne Bilder malen möchte, aber diese Bilder ungegenständlich sein würden, da ich gesehen habe, dass in der Kulturgeschichte unzählige Versuche, die Welt irgendwie abzubilden, stattgefunden hatten. Und in den Siebzigerjahren begann die Überflutung der Welt mit Fotos.

Auf der anderen Seite übte die Konkrete Kunst mit der Beschränkung auf das Wesentliche, die sich sehr stark mit formalen Problemen beschäftigt und Farbe zunächst nur dafür eingesetzt hat, um die formalen Inhalte erfahrbar zu machen, einen großen Reiz aus und blieb mir eine immerwährende Inspirationsquelle. Heute möchte ich im Prinzip die gesamte Farbigkeit der Welt, unserer Umgebung, der Natur, der Jahres- und Tageszeiten einbeziehen und erschließen. Die zahllosen unbenennbaren Farbnuancen der materiellen Welt in Gebilden und Strukturen von gleicher konkreter Verbindlichkeit erleben, wie es schon die Vorläufer taten.

Es gibt in ihren Serien diese unübersehbare Leidenschaft zur Präzision und Variation. Ist die Nähe zum Jazz ein Zufall?

Die Nähe zum Jazz ist kein Zufall, weil ich mich natürlich auch sehr für Jazz begeistere, wie auch für alle anderen Arten von Musik. Ich habe im Laufe meines Lebens ganz viel klassische Musik gemacht, musste aber leider feststellen, dass ich nicht imstande bin, Jazz zu machen – ich konnte nie improvisieren. Stattdessen komponiere ich. Das bedeutet, dass ich Malerei wie Musik „schreibe“, bevor ich sie male. Bevor ich ein Bild male, ist es vollständig komponiert und geplant. Es handelt sich gewissermaßen um ein explorierendes Experiment.

Das Ziel ist Verbindlichkeit, in der es keine Spielräume im Sinne von Ungeregeltem gibt. Ich lehne Willkür im menschlichen Miteinander genauso ab wie in der Kunst. Ich mag kein „Schöpferdespot“ sein, sondern ein Ermöglicher. Ich sehe mich als jemand, der Verfahren, Strukturen und Verhältnisse wählt und mit diesen etwas konzipiert, das zum Schluss egalitär, vollständig und autonom ist. Und den Betrachtern eine Begegnung in völliger Unbefangenheit ermöglicht.

Stichwort Erfolg

Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte habe ich etwas zustande gebracht, das ich durchaus für vorzeigbar halte. Erfolg ist für mich also an meinen eigenen Qualitätsbegriff gekoppelt.

Wenn die Qualität meiner Arbeit für mich in Frage stünde, hätte ich längst aufgehört.

Die kompromisslose Daseinsform als Künstler wird von außen oftmals bewundert, bei ihnen erscheint sie alternativlos. Ihr 75. Geburtstag rückt näher, zieht man da eine Art Bilanz?

Eigentlich nicht. Ich bin mir sicher, dass ich – vorausgesetzt, ich bleibe gesund – bis an mein Lebensende weiterarbeiten werde – ich tue nichts lieber! Wenn es um eine Bilanz geht, kann es also nur eine Art Zwischenbilanz oder Rückschau sein.

Schaue ich mir meinen Weg seit 1974 an – da beginnt mein Werkverzeichnis –, grenzt es für mich an ein Wunder, dass es mir vergönnt war, so viel zu schaffen. Wobei der Weg nicht einfach war. Ich musste immer relativ bescheiden leben. Das hat aber auch eine spezifische Schönheit. Ich lebe wie ein Fürst, pflege ich zu sagen. Mir fehlt nichts! Ich bin dankbar jeden Tag. Ich habe Enkelkinder!

Zur Zwischenbilanz: Sie ist einfach großartig!   

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